Freitag, 26. Juli 2013

Die schmutzigen Böden Sions

Ein wesentlicher Teil von Chinas urbarem Land ist durch Schwermetalle und übermäßigen Gebrauch chemischer Düngemittel verschmutzt: zwischen 8% und 20% wären abzuschreiben oder aufwendig zu säubern, stimmten Schätzungen von Forschern und herrschten eine Partei und Regierung, die dem Volk diese Schätzungen offen mitteilte. Artikel im Wall Street Journal.
Daher das mulmige Gefühl, mit dem man hier zu Tische sitzt.

Ein Wort zur Überschrift: Ich nenne China Sion durch Mischung des lateinischen Wortstammes sin für chinesisch und Zion als Beschreibung eines zu erbauenden Staats. SION als Klang, als Name für ein zukünftiges China, ein abermals in Wohlstand erstrahlendes, paradiesisches Reich, das die Mitte der Erde bildet, SION als Name für Xi Jinpings Chinese Dream ist, finde ich, ein großer Wurf. And Old Xi, you can have it for free.

Donnerstag, 11. Juli 2013

Das Fotografierverbot in Sanssouci

Zornpost auf WeChat:

德国皇宫!里面居然摆满了中国瓷器!不要脸!我们拍照居然不让我们拍!我们拍自家的东西关你们屁事啊!

Der Poster ist ein wohlhabender Unternehmer. In seiner Welt verfolgt die alte ungerechte Behandlung der Chinesen ihn bis zum heutigen Tag, bis in die Räume von Sanssouci, in denen er und seine Frau vom Fotografieren des chinesischen Porzellans abgehalten werden. Und zwar nur er und seine Frau. Nicht etwa alle anderen auch.

Mittwoch, 10. Juli 2013

Sonntag, 17. Februar 2013

Alors, l'église?

Freunde kommen mich diese Woche besuchen, einer von ihnen plant auf diesem Blog Buch zu führen, die bisherigen Fotos stammen von seiner ersten Chinareise im Jahr 2008 (der Typ mit dem Zahnstocher bin ich). Bin ihm neidig, dass er den Titel der soeben herausgegebenen China-Notizen Roland Barthes' als Titel seines Reisetagebuchs verwendet, weshalb bin ich nicht auf die Idee gekommen?
Muss ich bei 西东 bleiben, Westen/Osten; muss ich mich weiterhin fragen: was gibt es Neues im WestenOsten-Gelaber der Welt?
Dieses fulminante Lob des Bauwerks Kirche und Verhöhnung der europäischen Feng Shui-Liebhaber, die gerne im 东 Spiritualität suchen und im 西 die Nase über Kirchgänger rümpfen. Die Autorin des Artikels, Clarissa Tan, hat den Großteil ihres bisherigen Lebens in asiatischen Metropolen verbracht und rügt sich selbst: sie hätte den heiligen Orten dort mehr Aufmerksamkeit schenken sollen.
Vielleicht kann der zurückgetretene Papst, Josef Ratzinger, hier als Denker und Schreiber gewürdigt, in seinem Ruhestand ja etwas zum Bauen der Kirche schreiben. Anleihen könnte er bei Martin Heidegger nehmen, der in seinem Aufsatz Bauen Wohnen Denken von der Notwendigkeit eines Pontifex schreibt. Wobei er nicht den Papst meint.

Samstag, 26. Januar 2013

Quicksourcing

Chinas Lohnniveau nähert sich jenem Mexikos und verliert damit an Attraktivität als Industriestandort, denn Mexiko kann als Nachbar der Vereinigten Staaten viel schneller Güter bereitstellen und lässt effizientere Zusammenarbeit und Innovation zu:
Der Pundit-Entrepreneur-Trendforscher Chris Anderson weist auf einen neuen Trend hin und steckt mit eigenem Leib & Geld darin.

Dienstag, 22. Januar 2013

We cannot practice our English

Die Anzahl von Schülern aus Asien an US-amerikanischen High Schools wächst. Es wird von einem Kurs an einer katholischen Schule berichtet, den ein Dutzend Asiaten und drei Einheimische besuchen. Der chinesische Schüler Chang zum Nachteil dieser Überzahl: "We cannot practice our English."
Ich kenne zwei Chinesinnen, die in den Nullerjahren je vier Jahre in England eine Mittelschule besuchten. Ihr Englisch ist passabel, aber schlechter, als man es nach so einem langen Aufenthalt erwartet. Und es ist schlechter als das Englisch zweier weiterer chinesischen Bekannten: eine studierte vier Jahre lang in Hongkong, wo sie auch Kantonesisch lernte; die andere ist ihr Leben lang "bloß" in Shanghai gewesen, studiert dort an der Jiaotong University, hat nur chinesische Mitschüler, muss mit diesen aber im Unterricht Englisch sprechen. Daran gemessen, finde ich an ihrem Englisch nichts auszusetzen, und angenehm ist die Abwesenheit amerikanischen Jargons, der ja kaum mehr Sprache auszudrücken vermag als "kindalike" + Referenzbild aus Film&Fernsehen oder eine beleidigende soziale Brandmarkung ("You are a douchebag.")
Im oben verlinkten Artikel erzählt der Schüler Chang, er würde bei der chinesischen Hochschul-Aufnahmeprüfung Gaokao wohl keine ausreichende Punktzahl für eine gute Universität erreichen - wie etwa die Jiaotong University ist. Daher weicht er auf die amerikanische Schule aus, die das Schulgeld seiner Eltern gerne empfängt, wird später an einer amerikanischen Hochschule studieren, und kommt nach einigen Jahren mit dem hohen Sozialprestige des lange Zeit im Ausland Gewesenen in sein Land zurück (wenn er überhaupt will). "We cannot practice our English"? Ihr müsst nur euern Standort ändern.

Montag, 21. Januar 2013

Wir mußten uns resignieren

MediaMarkt verlässt China.

Gier und Bravheit

Dem Literaturwissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht wurde verwehrt, ein neugebautes Hochhaus in Shanghai zu besichtigen, zu dem er im Auftrag der Architekten etwas schreiben sollte. In seinem Blog macht er seinem Ärger und seiner Verachtung von Geldgier und chinesischer "Bravheit" Luft.

Sonntag, 6. Januar 2013

Die Schneefahrt

Es waren die Autobahnen und die lange, abkürzende Hangzhou Bay Brücke wegen Schneefall gesperrt. Stieg daher in den Bus einer privaten Reisegesellschaft ein, die solche Gelegenheiten auszunutzen weiß. Die Abfahrt verzögerte sich, da die Reisegesellschaft darauf wartete bis der Bus voll besetzt war, besetzt mit Leuten die alle irgendwie nach Shaoxing Cixi Yuyao Ningbo mussten. Um acht Uhr abends fuhren wir los, um halb fünf in der Früh kam ich in Cixi an. Ich war nicht der einzige Ausländer, ein junger Norweger war auch dabei. Er saß neben einer Eventmanagerin der ehemals wertvollsten Marke der Welt, auf Chinesisch 可口可乐 genannt, die über teure Ledertaschen und über Sex redete und immer wieder mit ihrem Freund telefonierte, den sie Honeybear nannte.